This page has found a new home

Pharisäer Rezept - Kaffee mit Seele aus Nordfriesland

Blogger 301 Redirect Plugin herzelieb: Pharisäer Rezept - Kaffee mit Seele aus Nordfriesland

Sonntag, 5. Januar 2014

Pharisäer Rezept - Kaffee mit Seele aus Nordfriesland

Das beste Rezept für Pharisäer - dem Kaffee, an dem man die Hände, das Herz und die Seele wärmt - zu finden, wird nicht leicht sein. Jede Hausfrau in Nordfriesland, ob auf Sylt, in Husum, auf Pellworm, Amrum, Föhr, den Halligen oder Nordstrand beansprucht für ihr Rezept dieses Prädikat. Ehrlich gesagt gibt es kein allgemein gültiges Rezept - lediglich für Gaststätten und Cafes hat man sich (sogar per Gerichtsurteil) auf Mengenangaben festgelegt. Im Alltagsleben werden die Zutaten aus dem "Handgelenk" zusammengefügt. Pharisäer darf nicht umgerührt werden, man trinkt ihn durch die Sahnehaube - hält man sich in Gaststätten nicht daran, wird eine Lokalrunde Pharisäer fällig.

Pharisäer schmeckt am besten mit handgebrühtem Kaffee

Pharisäer schmeckt am besten mit handgebrühtem Kaffee, frischer Schlagsahne und einem guten Rum. Wer glaubt, dass das Rezept aus alten Tagen einfach in die heutige Zeit der Kaffeemaschinen und Kaffeeautomaten übertragen werden kann, der irrt. Es gehört ein bisschen mehr zu einem wirklich guten Pharisäer und deswegen habe ich euch das Rezept mitgebracht:


Pharisäer wird traditionell in einer ganz normalen Tasse serviert.

Pharisäer - mein Rezept für den Kaffee mit Seele

1 Tasse starker, handgebrühter Kaffee
40 ml brauner Rum
frische Schlagsahne (ungesüßt)
2 Hände voller Liebe
1 Stück Würfelzucker

Zuerst wird der Würfelzucker in eine angewärmte haushaltsübliche Tasse gelegt. Darüber wird angewärmter brauner Rum gegossen, der dann anschließend mit dem handgebrühten Kaffee aufgefüllt wird. Zum Schluss wird der duftende Pharisäer mit einem ordentlichen Klecks sehr steif geschlagener Sahne vollständig abgedeckt und liebevoll serviert.

Pharisäer in einer hohen Tasse mit Fuß mit "Pharisäer-Schriftzug" zu servieren, wurde für die Touristen erfunden. Traditionell kommt dieses Kaffeegetränk in einer ganz normalen Tasse auf den Tisch. Wer die Geschichte des Pharisäers kennt, versteht warum das so ist:

Erfunden wurde der Pharisäer als Getränk bei einer Kindstaufe auf der Halbinsel Nordstrand im 19. Jahrhundert. Der strenge und abstinente Pastor Georg Bleyer, der stets gegen den Alkohol wetterte, saß als Gast an der Kaffeetafel. In Gegenwart des Pastors wurde Kaffee getrunken, die Nordfriesen trauten sich nicht, mit einem Schnaps auf das Taufkind anzustoßen. Bauer Johannsen, der Gastgeber, konnte sich eine Taufe ohne ein anständiges "Prost" nicht vorstellen und griff zu einer List:
Er ließ den Kaffee auf die oben beschriebene Art und Weise zubereiten. Die dicke Sahnehaube verhinderte, dass der Pastor - welcher als einziger normalen Kaffee serviert bekam - den Rum riechen konnte. 
Aber die Gäste auf der Taufgesellschaft wurden immer fröhlicher und Pastor Bleyer wurde misstrauisch. Heimlich nippte er an der Tasse seines Tischnachbarn, entdeckte den Verrat und rief entsetzt: "Oh, ihr Pharisäer". So wurde nicht nur das Kind, sondern auch das Getränk getauft.

Wäre der Pharisäer in der Touristen-Tasse mit Fuß serviert worden, hätte diese List wohl kaum funktioniert. Deswegen trinken wir in Nordfriesland unseren Pharisäer auf die althergebrachte Weise - aus einer ganz normalen Kaffeetasse. Ganz nebenbei bemerkt, kenne ich nur wenige Haushalte in der es eine spezielle Tasse für das geliebte Kaffeegetränk gibt. 


Pharisäer - Kaffee mit Seele. Das Rezept ist kinderleicht!


Sprühsahne ist kein angemessener Ersatz für die selbst aufgeschlagene Sahne. Sie schmeckt nicht, ist nicht steif genug und deckt deswegen den Geruch nicht annähernd so gut ab. Außerdem fällt sie viel zu schnell in sich zusammen. 
Einen Pharisäer trinkt man niemals mit einem Strohhalm! Lasst euch nichts erzählen. Der einzige Stilbruch, den ich durchgehen lasse, sind die Schoko-Raspeln auf der Sahne - die sehen sehr hübsch aus, gehören traditionell allerdings auch nicht zu einem Pharisäer.

Ich messe den Rum für meinen Pharisäer nicht ab! Das beste Rezept findest du selbst, wenn du den Pharisäer aus guten Zutaten so mischst, dass er dir schmeckt. Und wer keinen Kaffee mag, der trinkt einfach eine Tote Tante - noch so eine leckere Sache aus Nordfriesland.

Gibt es in deiner Heimat oder deiner Region auch ein Getränk mit Tradition? Vielleicht verrätst du es mir? Ich bin total neugierig!

In diesem Sinne, alles Liebe und Prost
miho


Labels: , , , ,

10 Kommentare:

Am/um 5. Januar 2014 um 13:38 , Anonymous Sandra Peterwerth meinte...

Herrlich, so ist auch mein ostfriesisches Rezept <3 LEGGA!

 
Am/um 5. Januar 2014 um 14:00 , Anonymous Dieter Schneider meinte...

Jetzt ist mir auch klar, warum diese Pharisäertasse nur was für Touristen ist. Der Pastor hätte den Schwindel ja gleich gemerkt. Bin Syltfan seit Jahren. Jetzt bin ich auch Fan von Herzelieb.
Gruß aus dem Ruhrgebiet

 
Am/um 5. Januar 2014 um 14:02 , Anonymous Linda van V. meinte...

Das wußte ich nicht, warum die Tasse gar nicht Original ist. Toller Artikel!

 
Am/um 5. Januar 2014 um 14:30 , Anonymous Claudia Petersen meinte...

Ich leg den Würfel auf den Tassenboden und kippe dann Rum dazu, bis der Zuckerwürfel bedeckt ist. Toll geschrieben,bin jetzt öfters hier
Lg
Claudia

 
Am/um 5. Januar 2014 um 16:48 , Anonymous Anonym meinte...

Schöner Artikel:
Sollte vielleicht auch mal die Betreiber des Bistors auf den Fähren nach Föhr lesen
Da gibts den Pharisäer in einem Glas - Glastasse

 
Am/um 6. Januar 2014 um 06:35 , Blogger Whoopieda meinte...

Liebe Michaela,

tja - da kannst mal sehen .... tolle Geschichte - wieder was dazu gelernt.

Liebe Grüße
von Nicole

 
Am/um 6. Januar 2014 um 19:32 , Blogger Kerstin meinte...

Liebe Miho,

hier im Süden ist das Rezept nicht so weit verbreitet aber ich selber mag ihn sehr sehr gerne. So schön erklärt möchte man gleich eine Tasse trinken, nun fehlt nur noch die richtige Außentemperatur dazu. Ein frohes und vorallem gesundes neues Jahr wünsche ich Dir und Deiner Familie.

Herzliche Grüße

Kerstin

 
Am/um 6. Januar 2014 um 20:32 , Anonymous Th. Jessen meinte...

Ein Originalrezept für den den Pharisäer von einem Original, so scheint es mir. Das ist der beste Artikel über den Pharisäer im Internet. Der beste Pharisäer ist der, der einem selbst schmeckt. Es stimmt, an der Küste braucht es kein festgeschriebenes Pharisäerrezept.
Viele Grüße von Sylt

 
Am/um 11. Januar 2014 um 21:13 , Blogger Jacky Mignon meinte...

Auf deinen Bildern sieht er richtig lecker aus :)

 
Am/um 30. Januar 2014 um 16:28 , Blogger hanseata meinte...

Wie schön, beim Lesen deines Posts kommt richtig ein bisschen Heimweh nach der Nordseeküste auf. Hier in Maine ist es jetzt so kalt, dass ein Pharisäer gerade richtig kommt!
Das Spezialgetränk von Maine? Root Beer! Ursprünglich aus der Rinde des Sassafras Baums hergestellt, ist es ein süsses, braunes Sodagetränk, das wie Hustensaft schmeckt. Definitiv nichts, was ein Neuzugang "from away" trinken mag! :)
LG aus Maine

 

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite